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Erst fließt das Bier, dann das Blut

Schwere Ausschreitungen am Rande des Länderspiels Deutschland – England am 1.9.2001

Betrunkene Fans beider Lager randalieren in der Innenstadt – die Polizei nimmt 47 Hooligans fest

Am Rande des WM Qualifikationsspiel Deutschland – England ist es in der Münchner Innenstadt zu zum Teil schweren Auseinandersetzungen zwischen Fans beider Lager gekommen. Die Polizei registrierte 17 Verletzte, darunter zehn Beamte und vier Passanten. Die Zahl der verletzten Fußball – Randalierer allerdings dürfte deutlich höher liegen. Die Beamten nahmen 47 Gewalttäter vorläufig fest. Neun Hooligans aus England, denen Körperverletzung oder Raub zur Last gelegt werden, wurden gestern dem Haftrichter vorgeführt.

Die anderen durften noch in der Nacht wieder gehen, die Polizei überwachte allerdings ihre Abreise. Die Einsatzkräfte nahmen weitere 135 Personen vorübergehend in Gewahrsam. Nur ein massives Polizeiaufgebot in der ganzen Stadt verhinderte, dass die Lage an den zahlreichen Brennpunkten weiter eskalierte.
Nach Erkenntnissen der Polizei waren rund 300 Hooligans aus Großbritannien und etwa 400 aus allen Teilen Deutschlands angereist. Dazu registrierten die Ordnungskräfte, die durch zahlreiche Fanbeamte unterstützt wurden, jeweils rund 1000 gewaltbereite Fans auf beiden Seiten. Die Polizei habe mehr als 1100 Beamte im Einsatz gehabt, rund dreimal so viele wie bei einem Champions League- oder Bundesliga Spitzenspiel, sagte der Einsatzleiter Gerhard Limbacher von der Polizeidirektion West. Einem Großteil dieses Aufgebotes hätten geschlossene Einheiten gebildet, die speziell für Anti – Gewalt – Einsätze ausgebildet und ausgerüstet seien. Dazu kamen Beamte des Bundesgrenzschutzes, die rund um den Hauptbahnhof und auf der S-Bahn Stammstrecke patrouillierten.

Exzesse der Gewalt: In der Innenstadt gerieten am Samstagnachmittag immer wieder englische und deutsche Fußball Fanatiker aneinander. Foto: Christof Stache/AP

Am Samstagvormittag war laut Polizei die Lage noch weitgehend entspannt. Brenzliger wurde es, als der Alkoholpekel der Fans am Nachmittag deutlich anstieg. Im „Augustiner“ in der Neuhäuser Straße zerlegten rivalisierende Fangruppen bei einem Scharmützel einen Teil des Mobiliars und bewarfen einander mit Gläsern und Stühlen. Die Polizei musste das Lokal zeitweilig sperren. Beim Cafe Schiller am Hauptbahnhof, einem Treffpunkt der britischen Fans, gerieten mehrere Hundert Gewaltbereite beider Lager aneinander. Flaschen und Bierkrüge flogen. Die Einsatzkräfte riegelten die Schillerstraße ab…..(….)…Auch in anderen Straßen rund um den Marienplatz wie im Tal (siehe unten) flammten die Prügeleien auf. Die Polizei hatte Mühe, die beiden Lager zu trennen. „Ein Großteil der Einsatzkräfte“, heißt es im Bericht der Polizei, „war mit der Begleitung von aggressiven Fangruppen gebunden.“

Nach der Eskalation im Tal wird ein Fan festgenommen. Foto: Klaus Brenninger

Immer wieder kam es auch zu Sachbeschädigungen. Gläser, Flaschen, Mobiliar und Schaufensterscheiben gingen zu Bruch. Am späten Abend warfen deutsche Hooligans Molotow Cocktails auf eine Tankstelle, an der sich englische Fans aufhielten. In der Innenstadt normalisierte sich die Lage kurz vor Spielbeginn laut Polizei wieder. Die Nacht und der Sonntag seien ruhig gewesen.
Polizeidirektor Eberhard Roese sagte gestern, die Taktik der Polizei sei aufgegangen. Mit „konsequentem Handeln“ und einer „niedrigen Einschreitschwelle“ habe sie schlimmere Auswüchse verhindern können. Roese kündigte Beratungen mir der Stadt an, wie man die „Alkoholproblematik“ bei ähnlichen Großereignissen künftig besser in den Griff bekommen könne. In einigen Lokalen hätten sich Fans systematisch besaufen können – trotz des generellen Gebotes für Gastwirte, an stark Betrunkene keinen Alkohol mehr auszuschenken.

Autor: Martin Thurau
Quelle: Süddeutsche Zeitung (Montag, 3. September 2001)


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